Die Städtische Galerie "Kunst In der Badstube"

Eine ganz besondere Perle in der "Perlenkette" der Wangener Kultur- und Museumslandschaft ist die Badstube in der Langen Gasse an der Stadtmauer. Vor 600 Jahren war an dieser Stelle in der "Oberen Badstube" der Badebetrieb aufgenommen und bis zum Ende des 17. Jahrhunderts durchgeführt worden.
Seit dem 18. Jahrhundert als Städtisches Armenhaus genutzt, diente das alte, wenig gepflegte Haus von 1910 bis zur Schließung 1939 als Wanderarbeitsstätte für mittellose, umherziehende Handwerker und Obdachlose.
1993 wurde das mittelalterliche Badhaus restauriert und im Erdgeschoss das Badstuben-Museum eröffnet. Heute beherbergen die ehemaligen Schlafsäle der Wanderarbeitsstätte im ersten Stock des Gebäudes die Städtische Galerie.

Das "Logo" der Galerie zeigt eine Badeszene: Vier Frauen im Bad, eine davon steigt gerade in die Wanne. Das sinnfällige Motiv stammt aus einer Serie von Holzschnitten des Künstlers Erich Heckel ( 1883 - 1970 ). Dieser hatte 1944 nach einem Bombenangriff Berlin verlassen, um am Bodensee bei Freunden Zuflucht zu finden. Hemmenhofen auf der Höri wurde für ihn und viele andere Künstler eine neue Heimat.

Die Städtische Galerie Wangen ist dem Verwalter des künstlerischen Nachlasses von Erich Heckel, Herrn Hans Geissler in Hemmenhofen für die Verwendung des Bademotives als Galerie-Logo zu Dank verpflichtet.
Der Heckel'sche Holzschnitt erinnert zum einen an die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als Badstube, gleichzeitig aber formuliert er auch den Anspruch der heutigen Nutzer, nämlich "Kunst In der Badstube" zu zeigen, ein Vorhaben, dem sich der Galeriekreis der Stadt Wangen ehrenamtlich widmet.

Seit Herbst 1993 wird in wechselnden Ausstellungen Kunst des 20. Jahrhunderts gezeigt. Über das Ausstellungsprogramm entscheidet der Galeriekreis, dem Beauftragte aller Gemeinderatsfraktionen und interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt angehören.

Mit Retrospektiven gewürdigt wurden bis jetzt die Wangener Künstler Josef Braun und August Braun, die Malerin Irmgard Ellermann-Coninx, der aus Schlesien vertriebene Maler Wolfgang von Websky - seit dem Ende des 2. Weltkriegs in Wangen beheimatet, die russischen Maler Viktor Ostroumov und Alexey von Schlippe, die sich in Wangen für kurze Zeit niedergelassen haben und später in die USA ausgewandert sind.

Eine weiterer konzeptioneller Schwerpunkt gilt grenzübergreifend der zeitgenössischen Kunst der Region. Erinnert sei an die romantisch-zarten Arbeiten des Schweizers Charles Hug, an die leuchtenden Aquarelle des Wangener bzw. Wahl-Berliners Willibrod Haas, an die kraftvolle Malerei des Isnyer Malers Bernhard Spahn, des Biberachers Hermann Schenkel oder an die konstruktive Kunst des Ravensburgers Hermann Waibel.

Einmal im Jahr greift die Städtische Galerie ein Thema auf, das eher der Volkskunst, der Kulturgeschichte oder der Heimatgeschichte zuzuordnen ist. Dazu gehört die naive Malerei der Maria Felder, die Ausstellung zum Kriegsende 1945 in Wangen, die Puppenstuben-Ausstellung, die Wangener Schützenscheiben und die große Ausstellung "Mummenschanz und Narretei" anlässlich des Schwäbisch-alemannischen Narrentreffens 2000 in Wangen.

Eine Besonderheit der Städtischen Galerie in der Badstube ist die Reihe "Baden Gehen". In drei Ausstellungen zu diesem Thema waren bisher in Wangen Arbeiten zu sehen von Künstlern verschiedener Generationen aus dem Südwesten Deutschlands wie Marcel Dornier, Bruno Epple, Arthur Fauser, Friedrich Hechelmann, Julius Herburger, Erwin Henning, Manfred Henninger, Ida Kerkovius, Werner Rohland, Rudolf Stuckert, um nur einige zu nennen. Die dritte Ausstellung der Reihe weist viele klingende Namen auf, deren Bedeutung an keine Region gebunden ist wie z. B. Max Ackermann, Willi Baumeister, Paul Kleinschmidt, Walter Herzger, Erich Heckel, Max Liebermann, Otto Modersohn, Otto Müller und Max Pechstein.

Neben diesen Hauptrichtungen der Galeriearbeit gilt die Aufmerksamkeit der Planer aber auch Themen mit lokalen Bezügen. Dazu gehören Ausstellungen von Trägern des "Franz-Joseph-Spiegler-Preises", mit dem die Galerie Schloß Mochental an den in Wangen geborenen Barockmaler erinnert. Dazu gehört auch die Ausstellung "Himmlischer Vagabund" mit Arbeiten des Künstler-Vagabunden Sepp Mahler aus Wurzach, eingebunden in die jüngere Geschichte des Hauses als Wanderarbeitsstätte.

Anlässlich des 10jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Wangen - Prato/Italien gab es 1998 und 1999 erstmals einen Austausch zwischen den jeweiligen kommunalen Galerien. 1998 schickte die Stadt Wangen eine Ausstellung ihrer bekanntsten Maler nach Prato "La Città di Wangen e i suoi pittori". 1999 waren die Arbeiten der Prateser Künstler "Arrigio Del Rigo und seine Freunde" in der Galerie in der Badstube zu sehen.